02. Mrz 10
Zur Hölle: Google hin und Google her
In den letzten Wochen ist so einiges über Google in den Medien und auf diversen Blogs zu lesen. Ob nun eine Inschutznahme bei SEO-United oder ein Google-kritischer, aber differenzierter Beitrag bei Martin vom tagseoblog, ob die Verteufelung von Streetview und Analytics, im Vordergrund steht meist die Angst, dass viele unterschiedliche, persönliche Daten bei diesem Konzern gespeichert werden.
Ich gebe zu, mich interessiert diese Diskussion nur am Rande. Der ganze Stress um die eigenen Daten geht mir ziemlich sonst wo vorbei. Es ist schließlich – so viel Egoismus maße ich mir an – nicht mein Problem, wenn man 1001 Sache über kostenlose Google-Dienste abwickelt und eventuell zusätzlich noch sehr persönliche Dinge ins Netz stellt. Die Beschwerde, man sei zu spät über die Datenspeicherung aufgeklärt worden, ist doch naiv. Wir stecken bei der Entwicklung der Vernetzung noch in den Kinderschuhen, da kommt sowas nun mal vor. Ob Johannes Gutenberg damals ahnte, was durch seine Erfindung an Mist gedruckt werden würde? Hmm? Nein.
Sicherlich weiß Google mehr über mich, als ich ahne. Mit einer gewissen Sorglosigkeit und Gelassenheit nehme ich das so hin. Wenigstens füttere ich das WWW nicht zusätzlich mit zig Infos, außerdem verwende ich nicht einfach so jeden Google-Dienst. Es gibt Alternativen, keiner wird gezwungen. Und: Mein Blog und mein Twitter-Account lassen auch Rückschlüsse auf mich, meine Persönlichkeit, mein Umfeld und meinen Lebensstil zu. Was juckt mich da, ob nachvollziehbar ist, welche Suchabfragen ich gemacht habe? Wer auf Porn-Seiten surfte und jetzt zu seinen Neigungen nicht stehen kann, wtf? (Mir ist klar, dass Google noch wesentlich mehr von mir, von jedem User trackt, so nebenbei bemerkt.)
Das größte Problem ist meines Erachtens die Tatsache, dass nun langsam auch dem naivsten User klar wird, dass man im Netz keineswegs so anonym ist, wie man es mal annahm. Das ist auch gut so. Die Transparenz ist von Vorteil. Wenn ein A****loch von Pädophilen so in den Knast wandert und sich mit seinen Mithäftlingen gegenseitig in den Popo – naja, ihr wisst schon. Dann finde ich das in Ordnung. Ich verstehe auch nicht die Aufregung über die Beschwerde, dass man immer mehr personalisierte Werbung angeboten bekomme. The hell – wir müssen doch am Ende Manns und Frau genug sein und darüber nachdenken und ausführen, was wir wirklich benötigen und kaufen und was nicht!
Überhaupt liegt dort der Hund begraben. Plötzlich wird von uns erwartet, dass wir wieder mündige Menschen werden! Medienkompetenz und eigenes Denken werden erwartet, aber das ist wohl vielen zu viel. Dabei ist völlig logisch, dass mit dem Anwachsen der Medienkanäle auch von uns mehr Auseinandersetzung damit erwartet wird. Wer Kinder hat, ist sowieso im Zugzwang und sollte unbedingt frühzeitig mit den Kids über diese Thematik sprechen und einen verantwortungsbewussten Umgang vorleben. Nicht nur Kindern und Jugendlichen sollte einleuchten, dass peinliche, kompromittierende Fotos, Videos und Aussagen irgendwann auf einen negativ zurückfallen werden. Ziemlich sicher sogar. Und wenn nur, weil es einem mordspeinlich ist. Daran ändert auch nichts, ob man Google oder irgendeine andere Suchmaschine verwendet. Darüber sollte man sich wesentliche Gedanken machen, nicht, ob Google oder ein anderer Konzern Daten speichert und auswertet, um Werbung zu schalten. Sollten Regierungen oder andere „böse“ Vereinigungen sich diese Daten von Google über jedes kleine Licht nehmen, dann sieht es sowieso sehr düster aus für uns alle. (Außerdem sollte schon den Kleinen aufgezeigt werden, wie Werbung funktioniert und dass nicht auf jeden Trend aufgesprungen werden muss, mal so am Rande erwähnt.)
Ein weiterer Gedanke schießt durch meine Gehirnwindungen. Wer glaubt denn allen Ernstes, dass er so wichtig und von Bedeutung ist, dass abgesehen von gezielten Werbeschaltungen mehr aus seinen Daten herausgepresst wird? Klar, sehr bedeutende Geschäftsleute und so weiter sehen das vielleicht anders. Prominente sowieso und Politiker erst Recht, doch gerade diese Personenkreise sind ohnehin gemanaged und die PR-Berater sollten sich um die Reputation und den Schutz ihrer Schützlinge kümmern. Dazu gehört nun mal auch das Netz, das wissen sie aber, zumindest sollten sie es wissen. Aber jeder andere? Seid Ihr sooo wichtig? Das muss jeder für sich beantworten. Ich schätze meine Bedeutung jedenfalls als ziemlich gering ein.
Btw: Durch die Nutzung von Handys bzw. Smartphones wird ebenfalls vieles gespeichert, daraus lassen sich wunderbare Bewegungsprofile erstellen und entsprechende Tatsachen ableiten. Da braucht es kein Google. Nein, nein. Wer in sozialen Netzwerken die Klatschschleuder antreibt, braucht auf Google sowieso nicht schimpfen. Und: Wem Google schon Angst macht, hat sich wohl auch noch nie mit Geheimdiensten auseinandergesetzt. (Tut ja auch nicht Not.) Die finden alles über dich heraus, wenn sie es darauf ansetzen. Und wenn sie es wollen, durchsuchen sie deine Wohnung, deine Festplatte, den Leben, ohne dass du es bemerken solltest. Und die machen noch einiges mehr, was jedem einzelnen nicht gefallen würde, wenn er betroffen wäre. Denke ich. Stört mich aber nicht. Denn:
ICH bin nicht evil. Darauf kommt es doch hauptsächlich an.
Oder liege ich falsch?
(Dieser Beitrag wurde etwas emotional von mir verfasst und ist bewusst provokant, spiegelt aber grundsätzlich meine Meinung wider. Eine kontroverse Diskussion ist jederzeit erwünscht. Zerreißt mich, macht mich fertig, wascht mir den Kopf – oder stimmt mir zu.
)

Mein Name ist Tina und ich freue mich auf dein Feedback! Seit 2007 bin ich glücklich ossimiliert und seit 2008 blogge ich auf unqualifziert.net losgelöst von Konventionen privat als Frau, Mutter und Hundebesitzerin. Als Frau Eisy führe ich mit meinem Mann ein feines Unternehmen und arbeite als Texterin und Autorin.
Tags: Datenschutz, Eigenverantwortung, Google, Medienkompetenz
Guter Artikel. Da stimme ich dir in so einigen Dingen zu. Wer sorge um Google&co hat, sollte mal bei den diversen Personen Suchmaschinen seinen Namen eingeben. Spätestens dann wird einem eigentlich klar, wo das wirkliche Problem liegt: Der Verantwortungsvolle Umgang mit Daten und da fängt man am besten immer bei sich selber an.
Meine vollste Zustimmung. Sehr schön geschrieben und auf den Punkt gebracht.
Wir haben uns halt zu sehr daran gewöhnt, dass andere für uns denken, deshalb wird immer mehr nach der Hand des Staates gerufen. Eigenverantwortung, Medien-Kompetenz und Hirn sind die Schlüsselwörter.
Allerdings hapert es den meisten ja schon bei der Medienkompetenz beim TV als Einbahnstraße. Das Programm der Privaten spricht Bände und Lieschen Müller glaubt jeden Mist, solange er nur von RTL oder Sat1 probagiert wird…
Mir geht diese ganze Aufregung mit der Privatsphäre zu Google Streetview gehörig auf den Zeiger!
Momentan entwickelt sich die Technik sehr schnell, nur wir Menschen müssen lernen da mitzuhalten und uns anzupassen. Natürlich ist es doof, wenn ich das Auto meiner Freundin bei ihrem Ex vor der Tür stehen sehe. Und das erkennt man auch, wenn die Nummerschlider ausgeblendet sind. Wenn Sie evil ist, dann muss sie es halt richtig sein, denn sie hat ja die Möglichkeit das Bild löschen zu lassen.
Niemand regt sich über diese Partyfotografen auf. Da gibt es sicherlich mehr Probleme. Denn da sind die Bilder auch gleich einem bestimmten Datum zugeordnet und die Gesichter sind nicht verschwommen…
Wir müssen einfach lernen mit den neuen Möglichkeiten umzugehen. Und wer, wie du schon sagtest, mit seinen Daten und Statements zu offen im Netz unterwegs ist, der muss auch mit den Konsequenzen rechnen.
Meine Mitbewohnerin mag die ganze Entwicklung im Netz gar nicht (also das absolute Gegenteil von mir). Aber sie weiß wie man sich schützt. Über sie findet man im Netz absolut NICHTS. Und wenn Sie gegenüber Google und Co anonym bleiben möchte, dann gibt es auch Möglichkeiten. Und auch da hilft wieder die Googlesuche.
Also locker bleiben und bei neuen Diensten immer hinterfragen wie sie funktionieren. Niemand MUSS Buzz benützen…
Ich kann Dir nur absolut zustimmen in jeder Hinsicht.
Wir werden eine ganz neue Definition von “Privatsphäre” künftig benötigen und auch entwickeln müssen. Man muss schlau damit umgehen und die Gefahren und Risiken seinen Kindern lehren, mit ihnen darüber sprechen (und manchmal auch den Eltern). Medienkompetenz – Du hast es angesprochen. Es wird niemand dazu gezwungen, bestimmte Daten zu hinterlassen. Je nachdem was man bezwecken will: anonym bleiben (wie das der Freundin von Matthi gelingt) oder auch online bekannt werden. Denn viele profititeren auch von einer echten Identität im Web z.B. wenn man mit einem Blog, Service, Firma, gemeinnützigen Verein, Thema bekannt werden möchte und sich so online Reputation verschaffen kann.
Schön auch, dass Du das ansprichst, für wie wichtig sich manche Leute halten, die befürchten, dass ihnen aufgrund von Informationen oder echten Namen im Web ja nur Nachteile entstehen, sie gestalkt werden etc. Klar, es gibt leider auch hier Ausnahmen und “schlimme Fälle”, die sich ereignet haben. Man hat nie alles 100% unter Kontrolle. Aber die werden dann auch immer wieder als abschreckendes Beispiel in den Mittelpunkt gerückt. Viele begreifen die neuen Entwicklungen nicht als Chance, sondern lassen sich von solchen Berichten abschrecken. Dabei muss man einfach nur lernen, sich online souverän zu bewegen – es gibt Regeln, wenn man die befolgt, dann minimiert man dieses Risiko (z.B. keine Bikini-Fotos von sich irgendwo ins Web zu stellen). Man muss erstmal “spielen” lernen, wie bei jedem Spiel macht man auch Fehler und lernt dazu. Das Wichtigste ist vor jeder Veröffentlichung im Web nachzudenken und zu prüfen: würde ich diese Informationen auch einem Fremden geben oder zeigen (Fotos). Eine sichere Methode um nicht bei Google mit Müll gelistet zu werden. Oder man hat diesen Exhibitionismus, dann sollte man aber versuchen anonym bleiben, was ich für viel viel schwieriger halte auf längere Zeit.
Ich freue mich, dass nicht nur ich die Sachlage so betrachte. Dennoch denke ich, dass es doch auch gegenteilige Meinungen geben muss. Wahrscheinlich erlaubt es die Reputation derjenigen nur nicht, auf meinem piefigen Blog zu kommentieren.
@Uwe:
Bitte nicht.. es ist schlimm das jede Diskussion auf diese “Opium fürs Volk”-Schiene kommen muss. Warum kann es nicht einmal eine vernünftige Diskussion geben ohne das man immer dieses “XXX glaubt alles wenn RTL,Sat1,N-tv,N24,Prosieben es nur sagt!” kommt. Dieses ganze Gelaber NERVT. Dadurch versucht man doch nur den pseudo-intellektuellen raushängen zu lassen der man nunmal nicht ist, denn sonst würde man anderes zutun haben als sich in solchen Aussagen winden.
Es nervt mich gehörig diese dummen Aussagen auf vielen Blogs zu vielen Themen zu finden, denn so etwas wird leider bei jedem noch so überflüssigem Thema (damit ist nicht gemeint, dass dieses Thema hier überflüssig ist!) angebracht – jaja, Lieschen Müller glaubt alles…
Von diesen Aussagen bekomme ich Ausschlag! Und nicht das man denkt ich halte mich persönlich für die ultimative Persönlichkeit, nein! Ich bin zwar gebildet, jedoch setze ich mich auch mit dem bööösen böööösen RTL,Sat1 Programm ausseinander.
Diese ganzen Hetzkampagnen werden doch nur aufgeschnappt und es ist ja noch so schön das einfach mal in jedem Blog zu bringen – sorry aber das nervt gehörig; und ja: Ich weis das ich das schon mehrmals gesagt habe!
Uwe, deinen Blog habe vor kurzem gefunden und eigentlich für gut befunden aber so Sprüche lassen meine Zuneigung doch sofort gleich Null schwinden…
Sören
PS: Dem Blogbeitrag kann ich trotzdem zustimmen.
Netter Artikel. Meiner Meinung nach hat hier jemand den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Problematik über das Surfverhalten und deren Speicherung ( es sei denn es ist Vater Staat – Dank an das Verfassungsgericht in Karlsruhe – Anm.: seit wann haben wir eine Verfassung? ) liegt wohl ehr in der Medienkompetenz der User. Wenn ein “intelligenter” Mensch nichteinmal die “private” Funktionen des eigen Browser kennt, überall seine primäre e-Mail Adresse hinterlässt sowie sein “Online-Leben” über seine eigene Person informationsreicher gestalltet als das Offline-Dasein, braucht er sich nicht über die datenschutzrechtlic fragliche Verwendung seiner Daten wundern.
Allerdings solang der “Mensch” so clever ist, und offline ne Postkarte mit seinen Namen & eMail & Anschrift & Telefonnummer in einen Fesnterschlitz eines chicken KFZ im Supermarkt wirft seh ich keine Besserung des Datenschutzes im Onlinemodus.
… aber Google ist dran schuld! (es sind ja immer die anderen
)
Der Hype gegen eine Offenheit im Netz wird wahrscheinlich von denen gemacht die etwas zu verbergen haben.
Oftmals sind das dann Leute die in eben solchen Positionen sitzen wie Medien, Politik und Wirtschaft.
Dem einfachen Menschen wird dann suggeriert es ginge um Ihn, dabei gibt es schön längst für die meisten Staaten genügende Gesetze die den jeweiligen Institutionen erlauben in uns Bürger hineinzuschauen.
Nicht zuletzt der Große Lauschangriff ” http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Lauschangriff ” ist in aller Hinsicht ein Werkzeug dessen Ausführenden Misstrauen entgegengebracht wird. Anstatt an dieser Stelle für seine Freiheit und seinen Frieden zu kämpfen und sich öffentlich zu empören, werden Werkzeuge die den meisten von großem nutzen sind in Frage gestellt und eingeschränkt.
Wer bewacht die Wächter?
Wenn jeder einen Einblick hat dann eben jeder Jeden. Und dies halte ich für das Optimum da die Institutionalisierung immer wieder zu missbrauch führen wird und “Mehrwissen” einen Vorteil für den Einzelnen oder ein Gruppe darstellt in einem System was Wettbewerbsorientiert funktioniert.