07. Feb 10
Zukunftsangst ist für Weicheier
Zukunftsängste sind mir fremd. Nein, so ganz stimmt diese Aussage nicht, aber sofern ich ähnliche Zustände verspürte, waren sie eher auf die nächsten paar Tage gemünzt und rührten von einer paranoiden Gesamtsituation her, in die ich unfreiwillig gedrängt worden war.
Kein Verständnis für Zukunftsangst?
Ich sage: Zukunftsängste sind etwas für Weicheier, für Menschen, bei denen das Leben stetig nach Plan und Vorstellung verlief sowie den Mainstreamanforderungen entsprochen hat. Oder für Leute, die immer nur die Scheiße sehen und die guten Momente vergessen. Wohl noch für Personen, für die stets die Arschkarte reserviert ist und ein Fehlgriff in Richtung Glück und Honigmond konstant zum Scheitern verurteilt war. Bei letzteren besteht von meiner Seite her noch ein wenig Verständnis, obwohl auch hier meine folgende Ansicht greifen könnte.
Zukunftsangst ist Verlustangst
Zukunftsängste zu haben ist so unnötig, dass es schon an Luxus grenzt. Hört sich seltsam an, aber ich kann meine Meinung begründen. Also: Was beinhaltet „Zukunftsangst“? Meines Erachtens Verlustangst. Wer Angst vor der Zukunft hat, befürchtet eine Verschlechterung der Situation, egal auf welche Umstände die Angst im konkreten Einzelfall bezogen ist. Der Verlust von Wohlstand, Gesundheit, der Verlust spezieller sozialer Verbindungen als Beispiele können Angst einjagen. Aber lohnt sich diese Furcht? Fürchtet man eigentlich wirklich die Verschlechterung oder die eventuell damit verbundene Ohnmacht? Doch in kaum einem Fall ist man zu 100 Prozent ohnmächtig. Meist kann an einer verschlechterten Situation etwas aus eigener Kraft oder mit Unterstützung verbessert werden. Selbst der Verlust geliebter Menschen kann verarbeitet werden, wenn das Leben wieder auf die Zukunft ausgerichtet und das Verharren in der – meist schöner gedachten – Vergangenheit beendet wird.
Zukunft ist beeinflussbar
Die Zukunft ist nicht greifbar, aber beeinflussbar, auch wenn es Begebenheiten und Schicksale gibt, die nicht abwendbar sind. Sie sind nicht abwendbar, aber umgegangen werden kann mit ihnen. Ich habe kein Bedürfnis nach Zukunftsängsten. Es lohnt nicht, sich über Dinge den Kopf zu zerbrechen, die kommen wie sie kommen und wollen. Jemand besitzt einen nicht bezwingbaren Schuldenberg? Er ruft Zwegat. Jemand ist von seinem geliebten Partner verlassen worden? Er meldet sich bei einer Singlebörse an. Nein, Spaß beiseite. Ich möchte nur vermitteln, dass es immer voran geht und je positiver man auch das Übelste nimmt, desto besser wird man jeden Mist anpacken können. Mir persönlich fällt dies leicht, weil in meinem Leben weiß Gott nicht alles optimal verlief und mit den öffentlichen Erwartungen konform ging. Anfangs bedeutete dies scheinbar eine Verschlechterung meiner Gesamtsituation, doch heute weiß ich, dass jeder Schritt, jede Entscheidung und auch jeder Fehlgriff und jeder Verlust (auch von geliebten Menschen) zu dem geführt hat, was mich heute ausmacht und was ich heute bin und tun darf. Das Ringen mit unschönen Umständen, die zeitweise auch von außen auf mich ungewünscht einprasselten, stärkten mich. Ich lernte, dass es immer aufwärts geht. Irgendwie. Auch und besonders von ganz unten. Warum sollte ich also Zukunftsängste haben? Überflüssige Energieverschwendung und nur was für Weicheier, die den Abgrund noch nie auch nur andeutungsweise gesehen haben. Außerdem lassen sich Pläne durchaus umsetzen, wenn man daran konsequent arbeitet und vor allem daran glaubt.

Mein Name ist Tina und ich freue mich auf dein Feedback! Seit 2007 bin ich glücklich ossimiliert und seit 2008 blogge ich auf unqualifziert.net losgelöst von Konventionen privat als Frau, Mutter und Hundebesitzerin. Als Frau Eisy führe ich mit meinem Mann ein feines Unternehmen und arbeite als Texterin und Autorin.
Tags: Luxus, Zukunft, Zukunftsängste
Im Prinzip hast du schon Recht… aber hier kann man (wie immer) nicht alles über einen Kamm scheren. Sicher hilft da einem eine positive Grund-Einstellung dazu… aber die ist nun mal nicht jedem gegeben. Siehe den Fall Enke. Wenn man grossen Druck bzw. Verantwortung hat, sei es beruflich oder Familie und in diesen Trichter gerät, so ist es alleine schwer zu schaffen. Und in diesem Fall war er sogar gar nicht alleine.
Die menschliche Psyche ist extrem komplex…und der “du musst dich nur zusammenreissen”-Spruch, den man ja so oft liest, ist eben nicht so einfach wie er sich anhört.
Schönen Rest-Sonntag wünsche ich Dir
)
@Thorsten Danke für den durchaus berechtigten Einwand. Sicherlich gibt es psychischen Druck und Begebenheiten, die einen nicht zu überwindbar erscheinenden Sog erzeugen, der zu tragischen “Vorfällen” wie Selbstmord oder schwer psychischen Erkrankungen führen können. Keine Frage.
Doch es gibt Menschen, die machen sich Sorgen um ihre Zukunft, obwohl ihnen viele Optionen offen stehen und sie nur ihre Chancen ergreifen müssen. Oder um Menschen, die sich wegen allem und jedem fürchten hinsichtlich der Entwicklung. Die Gegenwart zu genießen, aufrecht durchs Leben zu gehen, ehrlich und authentisch, bringt doch viel mehr, als sich hinter Zukunftsängsten zu verstecken und in Lethargie zu versinken.
@Tina .. da sind wir uns einig.
Ich wollte nur den Satz “Zukunftsängste sind etwas für Weicheier” nicht so stehen lassen, weil das zu einfach ist
Jeder Mensch tickt eben anders… und der Mensch tut nie etwas ohne Grund. Dieser Grund muss sich einem anderen nicht unbedingt erschliessen.
Aber du hast schon recht .. viele machen sich das Leben unnötig schwer!
/philosophisch-Mode off
@ Thorsten Natürlich wollte ich mit meinem Titel provozieren.
Ist mir bei dir geglückt und ich freue mich über kritische Einwände, zumal man in ein paar hundert Wörtern nicht allem und jedem gerecht werden kann.
Stimmt.. Treffer
Meine Worte waren nicht böse gemeint .. hoffe nicht, dass das so rüber gekommen ist
Hi zusammen,
interessante Diskussion – und Zukunftsängste kennt wohl wirklich jeder; nur schwankt die Ausprägung oft. Ob Enke sich wegen Zukunftsängsten selbst zerstört hat, wage ich zu bezweifeln; er hat das Jetzt meines Erachtens nicht mehr ausgehalten – und erst dann wirds wohl böse, glaub ich. Wer das Jetzt als solches akzeptiert, wer seine Chancen erkennt & ergreift, wie du sagst, Tina, dann stimme ich insgesamt mit dir überein, erweiter das aber etwas: Jammerer sind Weicheier. Klar, jeder hat mal ein Tief und das sei auch jedem mal gegönnt, aber es gibt diese Dauer-Jammerer, die _eigentlich_ fast alles haben (normaler Job, normale Familie, normales Haus –> dieses oft verfluchte “Vorstadtleben”) und dennoch vom Jammern nicht genug bekommen, um Aufmerksamkeit zu erhaschen. In solchen Fällen stirbt mein Mitleidsgen immer mal wieder ab … Es gibt einen Spruch, der ungefähr sagt: Wer keine Angst hat, hat aufgehört zu leben – so oder so ähnlich; da ist auch wieder was Wahres dran, aber es muss sich eben in Grenzen halten und darf nicht das Leben bestimmen.
Verzichte ich mal einen Nachmittag/Abend aufs Netz und schon purzeln die Kommentare. Fein! (Mach ich jetzt öfter so.
)
@Thorsten Ich fasste Deine Worte in keinem Moment als “böse gemeint” auf, im Gegenteil, eine Diskussion ist doch erwünscht.
@Sabrina Ich muss Dir zustimmen, wer das Jetzt in keinster Weise mehr ertragen kann, ist wirklich am psychischen Abgrund angelangt. So wird es auch Enke ergangen sein und vielen anderen, die keinen prominenten Status besaßen. Zudem kann ich diese “Beständig-und-immer-über-alles-und-jeden-Jammerer” auch nicht ab.
Damit ich nicht total abgebrüht rüber komme: Auch ich verspüre gelegentlich so etwas wie Angst. Das bedeutet ja nun wohl, dass ich noch nicht aufgehört habe zu leben.