Unqualifiziert
Google nennt mich Iron Betty Schmidt und hier ist mein Spielplatz. :-)

… und sie fallen übereinander her

Mensch und Welt

Spätestens seitdem der Nichtraucherschutz massiv zugenommen hat, sind die Gemüter der Nichtraucher und Raucher hochgekocht, wenn sie am falschen Ort zur falschen Zeit aufeinandertreffen und übereinander herfallen. Erst neulich las ich zu einem Beitrag, der vom (angeblich) verstärkten Rauchertum der sogenannten Unterschicht handelte, in den Kommentaren gegenseitige Anfeindungen von Rauchern und Nichtrauchern, die manchmal über den guten Geschmack hinausführten. Beschimpfungen, (stets fragwürdige) angeführte Statistiken und Gegenstatistiken, (meist vermisste) vernünftige Argumente und selten Anflüge von Toleranz waren dort zu finden. Bei mir erzeugte diese bodenlose Diskussion einzig Kopfschütteln, wenn nicht gar Brechreiz.

Vielleicht befasse ich mich mit diesem Thema, weil ich vor etwas mehr als vier Monaten das Rauchen aufgab. Ich setzte mir einen Termin und zog es durch. Okay, in diesen Monaten rauchte ich eine Zigarette, weil ich es wissen wollte, ich hatte Bedarf und stillte ihn. Ich sage Euch, sie war heilsam, denn es schmeckte „im Abgang“ ziemlich ekelhaft. Das einmal am Rande bemerkt. Jedenfalls nervt mich diese endlose „Raucher sind böse – Nichtraucher sind Opfer“-Diskussion. Jedem ist bewusst, das Rauchen wohl nicht das Beste für den Körper ist. Wer allerdings rauchen mag, soll es tun. Wer Nichtraucher ist, darf sich darüber freuen. Doch muss man sich nicht gegenseitig hassen.

Weder sind Raucher im Allgemeinen geselliger, noch Leben Nichtraucher stets gesundheitsbewusst. So kenne ich Raucher, die Sport treiben und am liebsten vor ihrem PC sitzen, ohne ständig hoch philosophische Gespräche an rauchvernebelten Stammtischen zu führen. Ebenfalls kenne ich Nichtraucher, die täglich fettiges, stark „kalorienverseuchtes“ Essen zu sich nehmen und auf Bewegung weitgehend verzichten, obwohl sie bereits fünfzig Kilo Übergewicht haben. Aber auf den blauen Dunst verzichten sie… Schlüsse mag der intelligente Mensch selbst daraus ziehen.

Muss denn wirklich heute noch darauf hingewiesen werden, dass keine „Gruppe“ oder „Schicht“, whatever, über einen Kamm geschert werden kann??? Ich erzähle nachfolgend bestimmt nichts Neues, dennoch. Am schlimmsten stoßen mir diejenigen auf, die Jahrzehnte rauchten, aufhörten und nun den großen Apostel spielen und am liebsten jeden Raucher auf der Stelle bekehren wollen. Es wird von ihnen propagiert, wie einfach es doch sei, die Finger (den Mund) von der Zigarette zu lassen. Dabei wird wieder vergessen, dass wir Individuen sind. Jeder reagiert anders, jeder geht auf verschiedene Weisen mit Veränderungen um. Mir fiel es ebenfalls nicht sonderlich schwer, das Rauchen aufzugeben. In der letzten Konsequenz zumindest, denn grundsätzlich hatte ich schon Jahre keine Lust mehr darauf, Raucherin zu sein und mir auf meinem Balkon den Hintern abzufrieren, wenn die kalte Jahreszeit angebrochen war. Außerdem schmeckte es nicht mehr… Mist, wieder abgeschweift. Also zurück zum Thema. Nur weil ich es ohne große Probleme (bisher) (nach ein paar Jahren nur darüber Nachdenkens) geschafft habe, nicht mehr zu rauchen, kann ich nicht davon ausgehen, dass es jedem so gehen mag. Daher brauche ich mich nicht oberlehrerhaft und missionarisch hinstellen und jeden Raucher verteufeln, an den Pranger stellen. Oder die Nase zu rümpfen. Ich meide Raucher auch nicht, denn wegen meines (ehemaligen) Suchtverhaltens braucht niemand auf meine Gegenwart zu verzichten.

Zum Abschluss kommend wird wohl damit gelebt werden müssen, dass man sich gelegentlich unangenehmen Dingen stellen und sie akzeptieren muss. Dazu gehört auch, dass man das ein oder andere Mal eine Rauchfahne abbekommt, sei es auf einer Feier, beim Besuch eines rauchenden Freundes oder einfach an der Bushaltestelle. Schließlich werden auch Abgase, Warteschlangen, Internetausfälle, profilneurotische Chefs und so weiter hingenommen, weil es einfach so ist. Kurzum, Toleranz, liebe Leute, Toleranz und innere Ruhe täten einigen wohl, um wieder ausgeglichen und weniger hetzerisch durch das Leben gehen zu können. Denn: Selbstverursachter (unnötiger) Stress ist ebenfalls gesundheitsgefährdend. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

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Mein Name ist Tina und ich freue mich auf dein Feedback! Seit 2007 bin ich glücklich ossimiliert und seit 2008 blogge ich auf unqualifziert.net losgelöst von Konventionen privat als Frau, Mutter und Hundebesitzerin. Als Frau Eisy führe ich mit meinem Mann ein feines Unternehmen und arbeite als Texterin und Autorin.


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7 Kommentare

  1. Corina (1 comments) sagt:

    dein Blogbeitrag ist sehr aufschlussreich, in vielerlei Hinsicht…

  2. Tina (475 comments) sagt:

    @Corina Es ist wirklich kaum zu glauben, was man so zu lesen bekommt, wenn man ein wenig nach dieser Raucher-Diskussion recherchiert… Dabei sollten wir doch alle einfach mal lieb zueinander sein und nicht übereinander herfallen. Lg

  3. hansdampf (1 comments) sagt:

    Na ja, unbestritten ist zwischnzeitlich die schädliche Wirkung von Tabakkonsum bekannt. Wäre unser Staat verantwortungsvoll und konsequent würde er das Rauchen grundsätzlich verbieten und den Verkauf unterbinden. Im Gegensatz zu Haschisch wüßte ich keine medizinische Indikation für Nikotin!
    Jede Gesellschaft hat ihre Droge, der Alkohol sollte reichen, wir brauchen Nikotin nicht wirklich.
    Aber ES LEBEN DIE STEUEREINNAHMEN

  4. Tina (475 comments) sagt:

    Es gibt auch keine Notwendigkeit für fettige Pizza und dennoch möchte ich nicht darauf verzichten müssen. Ich persönlich kann es nicht leiden, wenn gefordert wird, dass der Staat jeden einzelnen bevormundet. Ich bin mündiger Bürger und kann selbst entscheiden, was für mich gut ist und was nicht, was ich riskieren mag. Ansonsten müsste man beispielsweise jeden Übergewichtigen unter Androhung von Strafe dazu verpflichten, seine Ernährung umzustellen und Sport zu treiben, bis er sein Normalgewicht erreicht hat… Schlüsse darf der intelligente Mensch selber ziehen.
    Würde man Tabak verbieten, würde ein wunderbarer Schwarzhandel aufblühen, damit würde man Menschen kriminalisieren und ohnehin Kriminellen einen neuen “Wirtschaftszweig” aufzeigen. Die Prohibition hat doch gezeigt, das manche Dinge sich nicht einfach so verbieten lassen. Wenn man etwas fordert, sollte man auch etwas weiterdenken als bis zum eigenen Tellerrand. Nichts für ungut.

  5. Katja (2 comments) sagt:

    @ hansdampf Wenn der Staat den Zigarettenkonsum verbieten sollte, warum nicht dann den Alkohol? Ich denke jeder Bürger sollte selbst entscheiden, was ihm gut tut und was nicht. Sowohl Nikotin als auch Alkohol haben keine Gesundheitsfördernde Wirkung. Der eine könnte auf Alkohol nicht verzichten udn der andere nicht auf Nikotin.
    @Tina ganz meine Meinung

  6. Thomas (5 comments) sagt:

    Toleranz – tolerare = erdulden.
    Wenn ich etwas “dulde” muss ich es nicht gut heißen – in Deutschland weiß das nur keine Sau mehr anscheinend. Ich würd mich in diesem Punkt über ein wenig Toleranz freuen. Ja ich bin Raucher, ja ich finds scheiße, aber zur Zeit noch nicht genug um damit aufzuhören.

    Bin ich deswegen ein schlechterer oder besserer Mensch? Nein.
    Das ist so als würdest du sagen das alle die Lebkuchen mögen nen Vogel haben….

    Jeder scheiß wird “toleriert” nur beim rauchen machen wir jetzt nen Aufstand, ich mag offene Diskussionen, ich mag es wenn mir jemand sagt – hey ich find es scheiße das du rauchst, damit komm ich klar, was mir auf die nerven geht ist dieser nicht kausale zusammenhang zwischen rauchen & schlechter Mensch…

    Oh ich schweife ab…

  7. Tina (475 comments) sagt:

    @Thomas Richtig, das ist das eigentliche Problem. Raucher werden von (seltsamen) Menschen komplett als “schlecht” abgestempelt und verteufelt. Das ist totaler Quatsch, um es mal ganz lapidar auszudrücken. Sehr schade, dass es Menschen gibt, die sich für (vermeintlich) intellektuell halten, aber andererseits beschriebenen Zusammenhang sehen wollen, der jeglicher Grundlage entbehrt. Sehr, sehr schade…

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