18. Apr 11
“Raus hier!” Meine Woche als Strohwitwe
Am Montagmorgen schloss ich meine Jungs ein letztes Mal in die Arme, drückte ihnen Küsse auf und scheuchte sie aus der Wohnung. Vier und einen halben Tag Ruhe standen mir bevor! Ich liebe meine Jungs, meinen Sohn und meinen Mann. Die Aussicht, mal ein paar Tage völlig für mich allein zu sein, war dennoch verlockend. Zuletzt war ich wohl in meiner Schwangerschaft so „viele“ Tage am Stück nur mit mir selbst zugange. Und ich glaube, nicht einmal zu dieser Zeit waren es tatsächlich 4,5 Tage.
Als Sohnemann einige Wochen zuvor betrübt zu Hause erzählte, dass die Klassenfahrt wohl ausfallen würde, weil sich niemand dazu bereit erklärte, die Fahrt zu begleiten, war ich überrascht, dass mein Mann spontan sagte: „Ich mache das!“ Ich bin ehrlich, ich hätte keinen Nerv auf die Begleitung von rund 30 Kids, zumal ich mit meiner relativ geringen Körpergröße nicht mal über die Köpfe der Meute hinwegblicken könnte. Dieser Vorteil geht ganz klar an meinen Mann. *g* Doch es soll ja nicht die Rede davon sein, was ich NICHT wollte, sondern wie es mir damit erging, alleine zu sein. Gesellschaft leistete mir nur Bonny, meine bald 12 Jahre alte Schäfermix-Hündin.
Am Montagmorgen ging es nach der Verabschiedung zunächst pünktlich ins Büro, ich musste unseren Mitarbeitern die Büroräume aufschließen – was ich gerne mache.
Während ich meinen ersten Bürokaffee schlürfte, fiel mir ein, dass ich dieses Mal ja gaaanz beruhigt länger bleiben und weiterarbeiten konnte – es wartete ja weder im Hort noch zu Hause jemand auf mich! Und Bonny konnte gut und gerne auch eine Stunde länger ohne mich pennen. Ich sage es euch, ein Luxus! Sonst muss ich gegen 15 bis spätestens 15:30 Uhr meine Arbeit unterbrechen, was nicht immer leicht fällt, wenn man einen Workflow vom Feinsten hat!
Also ließ ich unsere Mitarbeiter alleine Feierabend machen und bin im Büro geblieben, bis es mich nach Hause zog. Dort machte ich mich auf dem Sofa breit [nicht so, wie ihr meint!], nahm mein Buch zur Hand, ging später mit Bonny raus – und genoss es, dass niemand, aber auch wirklich niemand etwas von mir wollte und mich aus meiner eigenen Gedankenwelt riss.
Der Arbeitstag am Dienstag verlief ähnlich, zu Hause kümmerte ich mich am Nachmittag ein wenig um den Haushalt und am Abend traf ich mich gegen 19 Uhr mit den Mädels, die mit mir im Elternbeirat sind. Eigentlich wollten wir uns um die Organisation der Abschlussfeier unserer 4. Klasse kümmern, doch überwiegend quatschten wir ewig über [das, was niemanden was angeht] und wendeten die letzten 30 Minuten für das Hauptthema auf. Um ca. halb zwölf spazierte ich mit einem ordentlichen Spezi-Rausch Richtung Heimat, ließ Bonny ein ausgedehntes Mitternachtsründchen auf Wiesen und Straßen erschnüffeln, bis ich schließlich gegen 1 Uhr in meinem Bettchen lag und das Licht löschte.
Gute fünf Stunden später klingelte mich der Wecker aus den synthetischen Federn, Frühstück, Bad, Gassi gehen und ins Büro radeln waren angesagt. Ich war irgendwie müde, doch nicht lange. Ich fühlte mich trotz des wenigen Schlafs erstaunlich fit. Schon an diesem Tag bedauerte ich, dass die Woche wieder fast vorbei war. Klar, ich freute mich auf meine zwei männlichen Schätze, aber ich fand die Tage mega-entspannend und viel zu zügig an mir vorübergezogen.
An diesem Tag blieb ich bis 17:30 Uhr im Büro, erledigte unliebsamen Papierkram (was mich sehr zufrieden stellte) und danach drehte ich mit Bonny meine Runde. Ich telefonierte über eine Stunde mit meiner Mutti, genoss in den Abendstunden eine Badewanne, hörte dabei mein Hörbuch weiter – und tatsächlich störte mich auch diesmal keine Menschenseele beim Ausspannen. Eine Seltenheit, ein Juwel!
Der letzte, komplette Tag meines Strohwitwendaseins brach nach einer kurzen Nacht an. Auskosten wollte ich ihn! Das tat ich auf meine Weise, trotzdem bereitete ich daheim alles besonders schick. Ich nutzte den Moment, Sohnemanns Zimmer in den hintersten Winkeln zu reinigen, ohne seine Empörung darüber anhören zu müssen, und ich füllte den Kühlschrank das erste Mal seit dem Wochenende für zwei hungrige Mäuler. In dieser Woche lebte ich für mich sehr sparsam, ich hatte kaum Hunger – aber nicht, weil es mir schlecht gegangen wäre. Oh nein, mir war nur nicht danach. Vor allem futterte mir keiner ständig was vor und machte mir damit Appetit.
Am Freitag stand ich ein letztes Mal alleine auf, genoss ein feines Frühstück und fuhr ins Büro mit dem Wissen, dass gegen Mittag meine Jungs wieder zu Hause in Merseburg ankommen würden. Eine SMS von meinem Mann kurz vor deren Abfahrt bestätigte dies. Während der ganzen Tage tauschten wir jeden Morgen und jeden Abend eine SMS aus und hatten sehr wenig Kontakt über Twitter – und das war auch gut so. Nur weil mein Mann und mein Sohn mal ein paar Tage ohne mich Spaß haben, muss ich denen nicht hinterhertelefonieren oder SMS-Bomben loslassen! Das würde mich umgekehrt nämlich nerven, also mach ich das auch nicht. Ich hatte ohnehin nicht das Bedürfnis nach mehr Kontakt. Ich denke, wenn man ein tiefes Vertrauen ineinander hat und eine innige Liebe spürt, ist man sich sowieso immer nahe, egal wie viele Kilometer zwischen den Partnern liegen.
Die Frage nach meinem Schlaf als Strohwitwe konnte ich nur mit „bärig, wie ein glückliches Baby“ beantworten. Ich schlief tief und fest – und ohne die äußerst kuriosen, aberwitzigen Träume, die mich die letzten drei Nächte vom Wochenende nach dem Aufwachen mit ihrer Erinnerung amüsierten.
Alles in allem war es sehr geil, mal wieder alleine zu sein, wenngleich ich total glücklich war, als ich Herrn Eisy und Little Eisy wieder in die Arme schließen konnte. Tja, so schließt sich der Kreis! Und dieses Wochenende nach der Klassenfahrt meiner Jungs war unendlich schön und ihr dürft ruhig neidisch sein …


Mein Name ist Tina und ich freue mich auf dein Feedback! Seit 2007 bin ich glücklich ossimiliert und seit 2008 blogge ich auf unqualifziert.net losgelöst von Konventionen privat als Frau, Mutter und Hundebesitzerin. Als Frau Eisy führe ich mit meinem Mann ein feines Unternehmen und arbeite als Texterin und Autorin.
Tags: Eigenverantwortung, Strohwitwe, Workflow
Die Überschrift klang schon sehr spannend und auch wenn du nicht wirklich viel erlebt hast, ich konnte es lesen als wäre ich dabei gewesen!
Zum allein sein kann ich nur sagen, meine Frau war letztes WE wieder im Krankenhaus und unser Sohn bei Oma mit Durchfall und erbrechen. Ich war arbeiten, das war ganz großes Kino! Ich kann zumindest sagen das mir das fetzt mal alleine zu sein aber die Ruhe zu hause wenn man alleine ist, ist echt krass! Wenn der Sohn nicht da ist da fehlt mir wirklich etwas. Mal sehen wie das ist wenn erst die Drillinge geboren sind da werde ich mich wohl nach Ruhe sehnen glaube ich!
Grüsse aus Freiberg, Sachsen
Oh ja, du wirst dich bestimmt nach der Ruhe sehnen! Drillinge sind eine gewaltige Aufgabe – aber eine schöne.
Gottlob ist mir das bisher nicht passiert, mit einer solchen Lebensaufgabe und – veränderung müsste ich erst anfreunden – aber 40 Wochen sind ja eine ganze Weile.
Jedenfalls habe ich es sehr, sehr genossen, ein paar Tage für mich zu haben.
Ich wünsche deiner Frau, dir und deinen bald 4 Kindern alles Gute und eine möglichst komplikationslose Geburt der drei kleinen Bauchzwerge.
Es freut mich zu lesen, wie du die Woche alleine verbracht hast. Von deinem Mann konnte man ja genug über twitter lesen, aber du hast die Woche wohl sehr für dich genutzt. Gerade als selbständige ist das auch mal wichtig und wird dir mit Sicherheit wieder neue kraft gegeben haben. Schöner Beitrag!
*aus dem Spamfilter fisch*
Ja, es war eine angenehme Woche, ich halte mich momentan aber allgemein rar auf Twitter, facebook und co.
Keine Zeit, keine Zeit.
Grüßle
Sehr schön geschrieben: Anschaulich und durchaus nachvollziehbar!
Und, es wird auch hier klar, dass eben ALLES seine berühmten zwei Seiten hat!
LG, heinka
Danke fürs Kompliment.
Für mich waren die Tage sehr kostbar, auch wenn ich mich am Ende gefreut habe, wieder mit meiner Familie vereint zu sein. Jedoch hätte ich auch eine Verlängerung meiner Strohwitwenzeit nicht abgesagt.
Grüßle
@ Tina
Bei Drillingen sind es keine 40 Wochen! Die Regel sind 32 Wochen und wir hoffen auf 34 Wochen. Jetzt ist sie etwa 28. Woche. Der Endspurt ist das Aufregendste für alle Beteiligten!
Ja, stimmt.
Da hatte ich jetzt gar nicht dran gedacht, obwohl ich das natürlich weiß.
Ich drücke die Daumen, dass die drei Mäuse so lange wie möglich im Bäuchlein bleiben, ist ja am Ende das Beste für die Bauchbewohner.
Oh ja… jetzt bin ich neidisch.
So lange Zeit alleine muss bei mir auch vor der Geburt unserer Tochter gewesen sein. Also vor 12 Jahren…
LG
Irgendwann werden wir uns nach den Zeiten sehnen, zu denen uns die Kids täglich begleitet haben.
Aber offen gesprochen, diese Woche war ein Traum, so viel Unabhängigkeit hatte ich schon lange nicht mehr.
Grüßle
Hut ab vor Deinem Partner, so eine Rasselband im Auge zu halten, ist gar nicht einfach. Aber ich sehe er ist ein verantwortungsvoller Mann. So einen muss man erst einmal finden *grins*
In Bezug auf Ostern, hoffe ich Ihr hattet/habt eine schöne Zeit und die Ausbeute war so groß wie bei mir. Meine Osterausbeute würde farblich gut zu Deinem Theme passen *grins*
Lieben Ostermontaggruß
Erdbeere
Hallo Frau Erdbeere,
ich finde es auch klasse, dass mein Mann sich freiwillig gemeldet hat und er wunderbar mit den Kids klar gekommen ist. Ich bin stolz auf ihn und die glücklichste Frau auf Erden, weil ich ihn und meinen Sohnemann habe.
Danke, danke, Ostern war toll, vier Tage schön ausspannen war notwendig.
Vor allem unsere Fahrradtour war richtig schön. Ich hoffe, du hattest auch schöne Feiertage, die Farbe hat ja schon gepasst.: *g*
Grüßle ins Erdbeerdorf