Unqualifiziert
Google nennt mich Iron Betty Schmidt und hier ist mein Spielplatz. :-)

Kinderlärm – Zukunftsmusik oder Lärmbelästigung?

Mensch und Welt

Die gute Frau von der Leyen hat eine schöne Aussage gemacht. Sie empfindet Kinderlärm als Zukunftsmusik. Das sehen leider einige Personen in Deutschland nicht so, denn sonst würden Anwohner von Kindergärten und Kindertagesstätten nicht wiederholt vor Gericht bei ihren Klagen wegen Lärmbelästigung durch Kinder Erfolg haben. Ich selbst wohne in der Nähe einer Grundschule mit angeschlossenem Nachmittags-Hort und wenn ich unter der Woche aus Versehen zu Hause bin, höre ich auch „lärmende“ Kinder. Für mich ist es allerdings kein Lärm, sondern einfach der Ausdruck von vielen Kindern, die spielen, toben und abends dann ausgepowert ins Bett fallen, ganz so wie es sein sollte.

Es fällt mir schwer einzuschätzen, welche menschlich unqualifizierten Leute sich über Kinder aufregen, die eben auch mal lautstark spielen. Dass man deswegen vor Gericht zieht, finde ich mehr als… naja, dafür fehlen mir wirklich die Worte. Waren diese Menschen nicht selbst vor langer Zeit Kinder? Hatten sie damals keinen Spaß oder waren sie leiser, als Kinder heutzutage? Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, stelle ich fest, dass wir wohl einen ähnlichen Lärmpegel verursacht haben… Den Klagenden ist es scheinbar auch egal, was sie mit ihren Forderungen bewirken, wahrscheinlich wäre es ihnen am liebsten, die Kids würden in Gebiete verbannt werden, wo in einem Kilometer Umkreis niemand wohnt.

Empörend sind auch Forderungen, nach denen man die Kinder hinter Lärmschutzwänden verstecken und einsperren sollte, was auch schon durchgeführt wurde. In letzter Konsequenz entscheiden Gerichte dennoch wiederholt für die Schließung von Kindergärten und Kindertagesstätten, weil Beschwerden und Klagen von intoleranten Anwohnern eingegangen sind und weil die Lärmschutzwände nicht in das Stadtbild passen. Die Verlierer sind schließlich die Schwächsten in unserer Gesellschaft – die Kleinen. Die Rechte der Kinder werden mit Füßen getreten, Eltern und Betreiber von Kindertagesstätten müssen neue Räumlichkeiten suchen mit der Furcht im Nacken, dass das Spiel von vorne beginnt. Ob die Richter wirklich davon überzeugt sind, dass Erwachsene bei der Rechtssprechung mehr Gewicht haben? Ich weiß es nicht, aber es scheint so zu sein. Falls Justitia, die blinde Frau der Gerechtigkeit, Mutter sein sollte, würde sie wohl brechen und in eine kinderfreundlichere Umgebung abwandern…

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Mein Name ist Tina und ich freue mich auf dein Feedback! Seit 2007 bin ich glücklich ossimiliert und seit 2008 blogge ich auf unqualifziert.net losgelöst von Konventionen privat als Frau, Mutter und Hundebesitzerin. Als Frau Eisy führe ich mit meinem Mann ein feines Unternehmen und arbeite als Texterin und Autorin.


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6 Kommentare

  1. eisy (13 comments) sagt:

    Ich finde es nur äußerst seltsam, wenn Menschen direkt neben einer Schnellstraße oder Autobahn wohnen, sich aber nicht über den Lärm der Fahrzeuge beschweren, sondern über die spielenden Kinder im Kindergarten nebenan. Kinder hinter eine Lärmschutzwand zu setzen, ist für mich unverständlich und wäre in meinen Augen nicht einmal eine Notlösung.

    Graue Wände erleben Kinder später in Schulen schon genug, da sollten sie nicht schon im Kindergarten mit den Knastfarben konfrontiert werden. Denn ich bezweifele stark, dass die Lärmschutzwand am Ende angemalt werden dürfte. Kann man nichts machen als mit dem Kopf zu schütteln. Es gibt eben Menschen die waren nie Kind, oder wurden im Keller aufgezogen. :(

  2. Tina (475 comments) sagt:

    Ja, den Gedanken mit den lärmenden Autos auf Anwohnerstraßen hatte ich auch schon, und das würde mich wesentlich mehr stören als tobende Kinder. Mal sehen, wo diese Entwicklung hinführt und ob es endlich ein Gerichtsurteil geben wird, das diesem Unsinn ein Ende setzt.

  3. Jessi (8 comments) sagt:

    Liebe Tina du hast vollkommen Recht, es gibt soviele unqualifizierte Menschen auf der Erde. Ist es nicht traurig das Deutschland ein kinderfeindliches Land ist? Warum befassen sich die deutschen Gerichte mit so einen Schmarn? Fragen über Fragen gehen mir durch den Kopf, doch die armen Leute mit ihren aktiven und gesunden Kindern sitzen am kürzeren Hebel und können nix gegen die deutsche Gesellschaft tun. Traurig ich weiß aber die pure Realität.

  4. Tina (475 comments) sagt:

    Naja, zum Glück darf man behaupten, dass es auch noch genügend Menschen gibt, die mit Kindern und deren Aktivitäten umgehen können und denen es lieber ist, dass sie in behüteter Umgebung unter Aufsicht toben und soziale Kompetenzen erwerben, die gegen Kinderlärm Klagenden wohl abhanden gekommen sind – falls sie jemals sozial-kompetent waren…

  5. Silvia (1 comments) sagt:

    Das Erstaunliche ist, dass Menschen, die selbst erwachsene Kinder haben, sehr wohl die “kinderlose” Ruhe schätzen (obwohl sie selbst mit ihren Kindern vermutlich für “Lärm” gesorgt haben und diesen täglich ausgehalten haben). Abzulesen ist das z.B. in ruhigen “Seniorenresidenzen”, in denen ja die meisten Menschen selbst früher einmal Eltern waren.

    Auch ich als Mutter von zwei erwachsenen Töchtern halte Kindergeschrei nun schlecht aus – Bedürfnisse ändern sich also offensichtlich im Laufe eines Lebens, das dürfte ein Wesensmerkmal der menschlichen Existenz sein.

    LG Silvia

  6. Tina (475 comments) sagt:

    @ Silvia
    Es mag durchaus sein, es ist sogar sicherlich so, dass menschliche Bedürfnisse sich ändern. Aber Kinder sind kein Bedürfnis, sondern unsere Zukunft! Daher sollte man Toleranz üben und nicht gegen Kitas und Kindergärten klagen, nur weil man seine vermeintlich wohl verdiente Ruhe erreichen möchte. Wesentlich interessanter wäre es, wenn sich auch alternde Menschen mehr für die Gesellschaft (ehrenamtlich z. B.) einsetzen würden. Früher galt einmal der Spruch “Um ein Kind zu erziehen, bedarf es ein ganzes Dorf”. Diesen alten Leitgedanken sollte man wieder ins Leben rufen, was auch für die Eltern bedeuten würde, dass sie es gelassen zulassen sollten, wenn andere erwachsene Menschen ihre Kinder (vernünftig) zurechtweisen. Aber das Thema in diesem Fall sind verklagte Kitas, die schließen müssen und den Kindern geht dadurch eventuell einiges an Vertrauen und Erfahrung verloren. Warum muss man sich gegen Einrichtungen wenden, die Kindern soziale Kompetenzen beibringen möchten? Warum macht man es Eltern noch schwerer, die zu immer mehr Flexibilität im Beruf angehalten werden? Später, wenn die Kinder (natürlich nicht nur) durch solche Schließungen wichtiges zu lernen versäumt haben – wie ein friedliches Miteinander pflegen – werden sie eventuell Jugendliche, die der Gesellschaft (und sich selbst) wirkliche Probleme bereiten. Vielleicht sollte man darüber einmal nachdenken…

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