08. Jun 10
Gehts noch? Bei den Kindern sparen…
Das Sparpaket wurde von der Regierung geschnürt und unter anderem soll das Elterngeld für Hartz-IV-Empfänger gestrichen werden. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder verteidigt diese Entscheidung unter anderem auf Twitter.

Am falschen Ende gespart
Ich finde es eine dumme Entscheidung, an den Kindern zu sparen, die es ohnehin durch die finanzielle Lage ihrer Familien bereits am schwersten haben. Es spielt auch keine Rolle, ob die Eltern selbstverschuldet oder wahrscheinlicher wegen einer ziemlich miesen Arbeitsmarktlage von Hartz-IV-Bezügen leben müssen. Die Kinder tragen daran keine Verantwortung, sie müssen es nur gemeinsam mit ihrer Familie ausbaden, ob sie wollen oder nicht.
Das Elterngeld ersatzlos zu streichen, bewirkt eine noch größere soziale Benachteiligung, die „Hartz-VI-Kinder“ erleben werden. Das ist Fakt und hat nichts mit Luxusgegenständen oder dergleichen zu tun.
Wollt ihr noch mehr Getto?
Es hat damit zu tun, dass sie am gesellschaftlichen Leben weniger teilhaben können, dass sie noch mehr in die „Getto-Zone“ geschoben werden und sich noch intensivere, größere sozial schwache Viertel und Schulen entwickeln, die auf Dauer dem Land schaden. Das kann wahrscheinlich kinderlosen Regierenden und Bundestagsabgeordneten mit Kids auf Privatschulen und in teuren, ausländischen Internaten egal sein.
Allgemein erweckt die Staatsführung doch den Eindruck, dass ihnen die Zukunft wenig wert ist, die in den Händen der Kinder liegt. Am Hindukusch Deutschland zu verteidigen, ist wichtiger als kostenlose Schulbücher für alle, als Renovierungen von maroden Schulen und des Aufbaus einer guten Betreuung für Kinder von klein auf. Warum retten wir nicht die ganze Welt, unseren Kiddies klauen wir dafür die Butter vom Brot… Das soll mal einer verstehen.
Alternativen statt Streichung
Das Geld wird an den Schwächsten und Unschuldigsten gespart. Wäre das nicht so – tja, dann würde ich für die Zukunft dieses Landes mehr Chancen sehen. Auch wenn die Unterstellung an und für sich dreist und unverschämt ist: Sollten die Herren und Damen Politiker Sorge haben, dass das Elterngeld nicht sinnvoll für die Kinder investiert wird, könnte man eine adäquate Alternative entwickeln. Bildungsgutscheine etc. waren schon öfter im Gespräch. Wäre zwar eine Art Bevormundung, ich persönlich würde diese Förderungen trotzdem einer ersatzlosen Streichung von Geldmitteln für Kinder bevorzugen.
Denn eines muss uns doch allen klar sein: Wenn wir noch mehr bildungsferne Kinder und Jugendliche durch eine völlig falsche Politik und durch Streichungen von Geldern für den Nachwuchs und durch mangelnde Perspektiven heranzüchten, sieht es düster für den Wirtschaftstandort Deutschland aus!
Sollen die Politiker doch bei sich den Rotstift ansetzen! Dort steckt einiges an Sparpotenzial.
Interessante Links zum Thema Elterngeldstreichung für Hartz-IV-Empfänger:
Familienministerin gibt auf Twitter die Marie Antoinette
“Elterngeld für Hartz-IV-Empfänger war systemwidrig” [Video auf SZ]
Der falsche Systemwechsel beim Elterngeld
Genderblog über “Shitstorm über Familienministerin”
Guido Westerwelle ist gegen “Freibier für alle”
Eine Mathestunde mit der Bundesfamilienministerin
Kristina Schröder, Hartz IV und ein Gerichtsurteil
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Mein Name ist Tina und ich freue mich auf dein Feedback! Seit 2007 bin ich glücklich ossimiliert und seit 2008 blogge ich auf unqualifziert.net losgelöst von Konventionen privat als Frau, Mutter und Hundebesitzerin. Als Frau Eisy führe ich mit meinem Mann ein feines Unternehmen und arbeite als Texterin und Autorin.
Tags: Hartz IV, Politik, Sparmaßnahmen
[...] Update 2: Jörg Marx dokumentiert einige Reaktionen auf Frau Schröders Äußerungen, worauf Johnny Haeusler bei Spreeblick in einer klug geschriebenen Rücktrittsforderung zurecht verweist. Sehr lesenswert ist außerdem der ausführliche Kommentar im Genderblog. Bonusempörung liefert u.A. unqualifiziert.net. [...]
Weil Trackbacks und Pingbacks bei mir leider nicht (aber bald) angezeigt werden, hier der Link von Hand: http://zivilschein.wordpress.com/2010/06/07/guido-westerwelle-ist-gegen-freibier-fur-alle/
Danke fürs Verlinken!
Oh, hallo. Gern doch, dein Artikel ist ja allemal überzeugend.
Danke fürs manuelle Trackbacken.
[...] der Wunsch von Johnny Haeusler auf Spreeblick, noch die hervorragend aufbereitete Kritik im Web wird diese Frau nicht stoppen können. var flattr_wp_ver = '0.9.8'; var flattr_uid = '7630'; var [...]
Ich bin von der aktuellen Spar-Entwicklung auch nicht gerade begeistert. GErade bei den Familien zu sparen ist nicht gut. Auf der anderen Seite muss irgendwo gespart werden – und letztlich trifft es viele Bereiche. Und irgendjemand wird immer aufschreien und sich darüber beschweren. Im Grunde wäre es egal, welche Regierung aktiv ist: Sobald jemand irgendwelche Kürzungen vornimmt, wird laut aufgeschrieen.
Noch ein manueller Trackback: http://www.volkerkoenig.de/2010/06/08/mathestunde-mit-ministerin/
[...] Gute Beiträge und Kommentare zum Sachverhalt auch im genderblog, bei Zivilschein, Volker König und unqualifiziert.net. [...]
Und noch ein Trackback: http://sibiuaner.de/2010/06/08/kristina-schroeder-hartz-iv-und-ein-gerichtsurteil/
Es soll doch nicht explizit an den Kindern gespart werden, sondern an den Kosten, die eine sogenannte Hartz-4-Familie dem sogenannten Steuerzahler verursacht.
Beispiel: Wenn nun die Familien anstatt Betrag XYZ nur noch XYZ – 10% bekommen, heißt das noch lange nicht, dass die Kinder weniger bekommen müssen. Es heißt lediglich, dass mit dem Geld besser gehaushaltet werden muss*. Ob die Familien nun ihrerseits an den Kindern sparen oder an ihrem Gesamtkonsum – Das werden die Eltern sicher nach bestem Wissen und Gewissen selbst entscheiden.
*Besser jedenfalls, als die Bundesrepublik es uns vormacht
PS: Die Idee mit Gutscheinen finde ich prima. Jeder, der sich von etwas oder jemandem abhängig macht (Hartz-4-Empfänger, Arbeitnehmer, Blogger, etc.), wird bevormundet.