Unqualifiziert
Google nennt mich Iron Betty Schmidt und hier ist mein Spielplatz. :-)

Das Auto ist ein Auslaufmodell

Mensch und Welt

FahrradEin Thema auf den Tisch zu packen, das mir bereits länger auf der Zunge liegt, aber wahrscheinlich auf wenig Gegenliebe stoßen wird, ist interessant. Entsprechend bin ich gespannt wie ein besoffener Regenbogen kurz vorm Knacken. Wie unschwer zu erkennen ist, geht es um Autos und das momentane Verkehrskonzept. Ich erinnere mich an eine sinnvolle Frage, die Sohnemann mir an einer Ampel im Alter von vier Jahren stellte. Er wollte wissen, warum so viele Autos führen, fast immer säße jedoch nur eine Person darin, das nehme doch viel zu viel Platz weg. Glaubt mir, die Frage war nicht leicht zu beantworten und berechtigt, aber einfach abtun wollte ich sie nicht. Leider weiß ich meine Antwort von damals nicht mehr, heute bin ich der Ansicht, dass Autos langfristig betrachtet ein Auslaufmodell sind. Treffender formuliert:

Die derzeitige Nutzung von Autos und die Akzeptanz als Alltagsgegenstand sowie die aktuellen Verkehrsstrukturen sind überholt.

Mein Umgang mit Autos

Ich selbst besitze kein Auto und bin nicht scharf darauf. Denke ich an die Kosten für Treibstoff, Versicherungen, Verschleißteile, Schäden, Parkgebühren und natürlich die Anschaffung (wahrscheinlich vergaß ich weitere Kostenfaktoren), vergeht mir die Lust darauf, ein Auto haben zu wollen. Als ich vor vielen, vielen Jahren volljährig wurde, hätte ich gerne ein Auto gekauft, aber irgendwie kam es nicht dazu, finanziell war die Zeit zudem angespannt. Seit langem könnte ich mir ein Auto locker leisten – aber ich möchte es nicht. Warum? Zum einen finde ich Fahrradfahren sehr entspannend und ich komme in den meisten Fällen von A nach B. Zum anderen gibt es Taxen, Mietwagen und Freunde oder Bekannte, die Autos besitzen. Wenn mir der Sinn danach steht, leiste ich mir auch eine Taxifahrt für 50 Euro. Insgesamt gebe ich für das motorisierte Fortkommen dennoch weniger aus als jeder Autobesitzer, der sein Wägelchen nicht nur mal am Sonntag ausfährt. Bahnfahrten inbegriffen.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Mir ist durchaus klar, dass Menschen vor allem in ländlichen Gebieten heute auf Autos angewiesen sind. Meine Mutter und meine Brüder wohnen in einem Dorf, sie können in der Tat für die Fahrt zur Arbeit und zum alltäglichen Einkaufen nicht auf das Kfz verzichten. Es gibt weitere Fälle, in denen das Auto unverzichtbar ist, beispielsweise wenn einige Kinder im Hause sind oder eine Behinderung vorliegt. Meine Aussagen beziehen sich auf die Situation von vielen Großstädtern, die durchaus auf das Auto verzichten und Geld sparen könnten – sowie zahlreiche Nerven.

Umdenken für die Zukunft

Ein Professor für Raumentwicklung der Universität Trier behauptete, würde man das Geld, das momentan für das Autosystem (Straßenbau usw.) aufgewendet wird, in den Ausbau von öffentlichem Personennahverkehr, Fuß- und Fahrradverkehr stecken, könnte man in vergoldeten Bussen und Bahnen fahren, man bekäme Kaffee, Zeitung und whatever an seinen Platz gebracht und könnte komfortabel mobil sein. Dieser Professor heißt Heiner Monheim und studierte unter anderem Stadt- und Regionalplanung, wirkte im Bundesministerium für Raumordnung und Bauwesen mit und war einer der Gründer des ADFC und des VCD (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club und Verkehrs Club Deutschland). Daher gehe ich davon aus, dass diese und seine weiteren Aussagen in einer gewissen Weise Hand und Fuß haben. Die Vorstellung, einen vernünftigen, überkomfortablen Nahverkehr – innerstädtisch, regional und überregional – vorzufinden, ist durchaus reizend.

Bedenkt man, dass Berechnungen und Statistiken zufolge die Zahl der Autos weiter zunehmen wird, manche Familien mehr als zwei Autos besitzen, Staus sich häufen, immer noch mehr Platz für Straßen, Parkplätze und andere für den Autoverkehr gedachte Projekte draufgeht, ist es eine ansprechende und langfristig unabwendbare Maßname, das Umdenken voranzutreiben – und damit das politische Handeln. Im Übrigen fordern auch andere den Weg weg vom Individualverkehr hin zu mehr kollektiver Mobilität. Sogar die Autoindustrie stellt sich auf das Umdenken bereits ein, neue Mobilitätskonzepte sind in der Entwicklung, teilweise sogar schon in der Umsetzung, angeblich bei allen Autoherstellern.

Überdenken des persönlichen Mobilitätskonzepts

Jeder soll leben, wie es ihm behagt. Doch es schadet nicht, in regelmäßigen Abständen seine Gewohnheitsmuster zu überdenken – in jeder Hinsicht und eben auch in Bezug auf das persönliche Mobilitätskonzept. Großstädtern bietet es sich besonders an, über die Abschaffung des eigenen Pkw nachzudenken. In vielen Fällen wäre dadurch Geld gespart, darüber hinaus Zeit und Nerven, das Besitzen eines Autos hat bekanntlich viele Nachteile und Schwächen. Auf das Fahrrad umsteigen hält dagegen fit. Sicherlich muss gegebenenfalls ein voller Bus, eine Straßenbahn oder die überfüllte U-Bahn in Kauf genommen werden, aber im Stau stehen oder einen teuren Parkplatz finden und unter anderem das Portemonnaie leer tanken sind auch kein Vergnügungen. Zudem gibt es Mietwagen und Taxen, die auch bei schlechtem Wetter fahren. Außerdem sei versichert, dass eine weitere Strecke mit der Bahn in der 1. Klasse sehr angenehm sein kann.

Meine persönliche Vision der Zukunft

Die Vision, in einer Stadt weniger Blech und dafür mehr Grünflächen und Wege für Fußgänger sowie Fahrradfahrer zu sehen, ist eine äußerst angenehme. Neue Fortbewegungsmittel wie beispielsweise Segways schieben sich in meiner Vorstellung zwischen die Menschen, ein aus heutiger Sicht extrem komfortabler und flexibler Nahverkehr etabliert sich. Gelder fließen zudem für den Ausbau eines attraktiven Langstreckenverkehrs. Langfristig wird jedes Dorf an den öffentlichen Verkehr angebunden sein, flexibel, 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Freiräume, frischere Luft, viele dadurch entstehende Arbeitsplätze im Nah- und Fernverkehr, gesündere Menschen, weil Fahrradfahren und körperliche Fortbewegungsmethoden wieder alltäglich geworden sind, ergänzen meine schöne, neue Welt. Privatgrundstücke, die heute teilweise noch von überdimensionalen Garagen dominiert werden, können zu Freizeitoasen umgebaut werden. Die Welt ist weniger hektisch, die Leute entspannter, die Parkplatzsuche und hässliche Parkhäuser gehören der Vergangenheit an.

Jetzt seid Ihr dran. Wie steht ihr zum Auto? Nerven Euch die steigenden Kosten für Benzin/Diesel? Die verstopften Straßen? Oder könnt beziehungsweise wollt Ihr nicht auf das eigene Auto verzichten? Ist es für Euch ein Genuss, durch die Gegen zu cruisen? Jede Meinung, jeder thematisch passende Kommentar ist willkommen.

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Mein Name ist Tina und ich freue mich auf dein Feedback! Seit 2007 bin ich glücklich ossimiliert und seit 2008 blogge ich auf unqualifziert.net losgelöst von Konventionen privat als Frau, Mutter und Hundebesitzerin. Als Frau Eisy führe ich mit meinem Mann ein feines Unternehmen und arbeite als Texterin und Autorin.


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8 Kommentare

  1. Andreas (34 comments) sagt:

    Auto habe ich auch nicht. Es geht auch ganz gut ohne, gerade in einer Großstadt. Fahrrad kommt auch hin und wieder zum Einsatz. Ist irgendwie ganz angenehm das einem das ständige Theater um Sprit, Versicherung und Steuer erspart bleibt.

  2. RalleNL (3 comments) sagt:

    Moin moin,
    ja das ist so eine Sache mit den Autos, ich mag eigentlich nur die schönen Alten ;-) besessen hab ich schon unzählige , vom Fiesta bis zum 7er alles durch, meist aber für die Firma, ich selbst brauch eigentlich für mich kein Auto, außer …es muß mich schnell ans Meer bringen, zum Segeln oder Angeln. Seit ich nun hier in den Niederlanden wohne hat sich das Autofahren relativiert, zu 70% bin ich mit dem Motorrad unterwegs, der Rest teilt sich unter Fiets (Fahrrad) und Füßen auf. Der Berliner Großstadtstress ist völlig verschwunden, es ist normal für Radfahrer zu bremsen oder gar anzuhalten. Ich denke mal es sind weniger die Autos die die Städte verpesten und unsicher machen, sondern der ständig wachsende Druck, alle müssen noch schneller und noch besser sein, ich weiß es selbst und hab es über 20 Jahre fabriziert und sogar gefördert. Es gab Zeiten da war ich schneller von Berlin nach Rostock, als von Prenzlauer Berg nach Charlottenburg, und das meine ich ernst.
    Solange sich politisch nichts ändert und ein jeder nur dem schnellen Euro nachjagt, dieses auch bis zum Exodus, ist ein Umdenken kaum möglich. Der Mensch muß mal nach Außen gesetzt werden um sich und seine Umgebung mal aus der Vogelperspektive zu betrachten, erst dann wird ihm bewusst, wie unsinnig sein Handeln teilweise ist, ein kleiner Urlaub von 3 Wochen reicht da meist nicht aus. Naja, und die Medien tun halt ihr übriges dazu, so ist das wohl. Meine Besucher sind oft nach einer Woche schon völlig fasziniert wie das hier so funktioniert, die Menschen sind freundlicher und relaxter ( und das liegt nicht am Gras ;-) ), kein Gehupe und Angebrülle, eher das Gegenteil trifft zu. Ein Land so dicht neben Deutschland und kaum einer registriert es wirklich, aber ein Unterschied der Mentalitäten der Bände spricht. Hier ist das Auto weniger ein Statussymbol als ein reines Fortbewegungsmittel, fahrbarer Einkaufswagen oder Freizeitspielzeugtransportmittel, selbst für “mündige Jugendliche” gibts hier wichtigeres als Autos, das Zauberwort heißt hier …Geselligkeit ..und dazu ist kein Auto notwendig.
    Der Mensch wird aber nicht von allein einlenken solange die Wirtschaft den Schritt und das Tempo vorlegt, und er keinen für sich sinnvollen Weg raus findet.

    Oh bin ich etwas abgeschweift, na macht nix, iss ja nich mein Papier hier ……lol

    Grüße Ralle NL

  3. Tina (475 comments) sagt:

    Zitat von RalleNL: “Der Mensch muß mal nach Außen gesetzt werden um sich und seine Umgebung mal aus der Vogelperspektive zu betrachten, erst dann wird ihm bewusst, wie unsinnig sein Handeln teilweise ist.” – Danke RalleNL, für diese Aussage könnte ich Dich glatt umarmen. :D

  4. [...] langen Tag wie es gestern durch die Leo-X der Fall war. Außerdem sparen wir Geld für ein eigenes Auto. (Eine Menge Geld. ) Wir arbeiten viel und investieren massenhaft Zeit in unser Unternehmen. Das [...]

  5. Frank (7 comments) sagt:

    Ja auf dem Dorf kommt man noch nicht wirklich ohne ein Auto aus aber in der Tat ist es immer stressig, wenn man in einer Großstadt unterwegs ist. Wenn man dies nicht gewöhnt ist, kann man schon mal an einer größeren Kreuzung verzweifeln und alle haben nur eins im Sinne, schnell ans Ziel kommen, zum Teil auch ohne Rücksicht auf Andere.

    Ich finde es schon einmal vorteilhaft, dass in Deutschland immer mehr kleinere Autos zum Einsatz kommen, dies spart Sprit und schont schon etwas mehr die Umwelt. Heutzutage bekommt man ja auch jeden Kinderwagen in ein sehr kleines Auto rein und wenn man nicht wirklich viel auf der Autobahn unterwegs ist, braucht man doch eh keine 160 kmh zu fahren.

    Man ist sozusagen auch nicht schneller am Ziel oder komfortabler, man sollte auch immer mal versuchen, bestimmte Wege besser zu organisieren und zu planen und am Wochenende kann man auch mal auf das Auto verzichten und aufs Fahrrad umsteigen. ;-)

    Des Weiteren ist der E-Commerce auch schon ein Vorteil, es ist immer besser, wenn ein DHL Auto zu 100 Kunden fährt, als wenn 100 Kunden fahren um sich etwas zu kaufen.

  6. Tina (475 comments) sagt:

    06. August 2010 Interessanter Artikel passend zur Thematik in der New York Times mit dem Titel “In German Suburb, Life Goes On Without Cars”: http://www.nytimes.com/2009/05/12/science/earth/12suburb.html?_r=3&em

  7. Tina (475 comments) sagt:

    Sehr schön! Es geht weiter in die richtige Richtung: Autobauer: Der neue Escortservice http://www.wiwo.de/technik-wissen/der-neue-escortservice-441381/

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